Auch im nächsten Jahr wird eine Saisonarbeit in Deutschland für viele Menschen eine begehrte Tätigkeit sein. Insbesondere Saisonarbeiter aus Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien strömten in den vergangenen Jahren in großer Zahl in die Zentren der deutschen Agrarwirtschaft, um dort für einige Wochen oder Monate der Saisonarbeit nachzugehen. Die für osteuropäische Verhältnisse attraktiven Löhne zogen immer wieder motivierte Arbeitnehmer an. Doch 2011 treten einige gesetzliche Neuregelungen in Kraft, die auch Auswirkungen auf die Saisonarbeit in Deutschland haben dürften.

Ist eine deutsche Landwirtschaft ohne osteuropäische Erntehelfer überhaupt denkbar? Vermutlich nicht, denn trotz eines zunehmenden maschinellen Einsatzes ist bei der Ernte von Spargel, Erdbeeren, Niederstamm-Obstbau oder Streuobst ein Verzicht auf manuelle Hilfe nicht denkbar. Saisonarbeit wird es in Deutschland also auch 2011 in ausreichendem Maße geben. Aber kommen auch genügend Saisonarbeiter in den Westen?

In 2011 fallen für die Staaten, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind, Einschränkungen bezüglich der Arbeitnehmerfreizügigkeit weg. Arbeitssuchende aus Polen, aber auch Tschechen, Ungarn und weitere dürfen dann in Deutschland genehmigungsfrei jede Stelle annehmen. Bisher war das nicht möglich, wobei für den Bereich Saisonarbeit besondere Regelungen galten – zum Vorteil der deutschen Landwirtschaft, der deutschen Gastronomie und weitere Sektoren, die in den Genuß kamen, das Saisonarbeitverfahren der Bundesagentur für Arbeit anwenden zu dürfen. Doch damit ist jetzt Schluß – lediglich für Saisonarbeiter aus Rumänien und Bulgarien sowie für Kräfte aus bestimmten Staaten aus dem Nicht-EU-Raum (derzeit nur für Kroatien angewandt) findet das Saisonarbeitsverfahren der Arbeitsagentur weiterhin Anwendung.

Diese neue Gesetzeslage macht eine Beschäftigung als Saisonarbeitnehmer 2011 für die bisher in Deutschland so zahlreich vertretenen Polen uninteressanter. Natürlich werden auch weiterhin Saisonarbeiter aus diesen Staaten nach Deutschland kommen, doch werden viele (insbesondere solche mit deutschen Sprachkenntnissen) auch andere Stellen finden können, die deutlich besser bezahlt sind. Auch wird die Gefahr zunehmen, dass Saisonarbeiter zwar auf ihrer Arbeit in Deutschland wie geplant beginnen, dann aber nach wenigen Wochen etwas lukrativeres gefunden haben und  den Landwirt mit seiner Arbeit alleine lassen. Durch den harten Wettbewerb ist in der deutschen Landwirtschaft nur ein sehr geringes Lohnniveau anzutreffen, weshalb die Saisonarbeit für deutsche Arbeitnehmer oft als wenig attraktiv angesehen wird – und zudem körperlich sehr anstrengend sein kann.